Die 750 Meilen von Irland 2001


Ein Bericht meiner Irlandreise vom 04.Juni bis 10.Juni 2001. Mit von der Partie: Igor[Rock] und Rookie[Rock].
 


Köln, Im April 2001 Igor, Rookie und ich beschlossen in einer Kneipe, dass man gemeinsam ein paar Tage verreisen könnte. Zunächst steht ein verlängertes Wochenende in Bres-Dunes (Nordfrankreich) zur Debatte. Da wir aber alle den dortigen Campingplatz inzwischen kennen, drängt sich plötzlich ein weiteres Reiseziel auf: Irland. Dabei waren wir noch nicht einmal in einem Irish Pub *g*. In den nächsten Wochen zeigte sich, dass unser ursprünglicher Plan, mit meinem PKW, einem betagten MAZDA 323, nach Irland zu fahren, nicht zu realisieren ist. Die Reisezeiten sind einfach zu lang und die Fährpreise zu hoch. Schnell fand sich eine preisgünstige Fluglinie, die uns nach Irland und zurück brachte. Außerdem war aus dem ursprünglichen verlängerten Wochenende inzwischen eine Reise von Dienstag bis Sonntag geworden. Und weil dienstags kein Flug bei »Ryanair« mehr frei war, flogen wir dann eben schon montags ab.
 

Boing 727, Ryanair 04.06.2001 Mit einer Boeing 727 starteten wir abends in Frankfurt-Hahn. Der Flughafen ist ein ehemaliger Militärflughafen, der nach dem Abzug der amerikanischen Truppen einer zivilen Nutzung zugeführt wurde. Weshalb der Flughafen ausgerechnet den Namen Frankfurt-Hahn trägt, bleibt mir allerdings ein Rätsel: Er liegt mitten im Hunsrück und ist wesentlich näher an Mainz oder Wiesbaden, als an Frankfurt. Der Flug selbst war unspektakulär. Zwei Stunden über einer geschlossenen Wolkendecke.
 
Am Flughafen Shannon angekommen, stellten wir bald fest, dass wir nicht - wie ursprünglich geplant - am Flughafen übernachten konnten. Am Airport gibt es kein Hotel und Shannon selbst ist bestenfalls ein Dorf. Also nahmen wir unseren Mietwagen, einen Opel Astra aus dem Baujahr 2001, schon abends in Empfang und machen uns auf, Irland zu erkunden. Die Sache hatte freilich einen Haken: Es war bereits 20.00 Uhr abends und wir hatten immer noch keine Idee, wo wir die erste Nacht verbringen sollten. Ein netter Dorfpolizist war uns schließlich bei der Zimmersuche behilflich. Er skizzierte uns den Weg zu einem Gestüt in der Nähe von Limerick, nicht ohne sich vorher von einem Pub aus telefonisch erkundigt zu haben, ob dort überhaupt noch Zimmer frei sind. Wenig später hatten wir unsere erste Unterkunft in Irland gefunden.

05.06.2001 Nach einer erholsamen Nacht saßen wir vor unserem ersten Frühstück in Irland. Die Zutaten kamen mir merkwürdig bekannt vor: Spiegeleier, gebratener Speck und Toast. Bei meiner Kanada-Reise im Herbst 2000 war dies ebenfalls das typische Frühstück. Das Frühstück war reichlich und bald darauf machten wir uns gestärkt auf den Weg. Rock Of Cashel Unsere erste Etappe führte uns von Limerick aus ostwärts über Tipperary nach Cashel, dem »Akropolis Irlands«. Bei strahlendem Sonnenschein spazierten wir durch den Ort, besichtigten den berühmten »Rock Of Cashel« und wanderten zur nahe gelegenen Ruine der »Hore Abbey«. Cashel war Jahrhunderte lang ein Königssitz und wurde später Erzbistum. Die Gebäude auf dem Felsen wurden mehrfach erweitert und umgebaut, so dass man alleine über die Architektur und die Geschichte des »Rock Of Cashel« seitenlange Abhandlungen schreiben könnte. Dies überlasse ich jedoch den einschlägigen Reiseführern, die für einen Irlandtrip unerlässlich sind.
 
Cahir Castle Schließlich führte uns unsere Reise weiter nach Cahir, wo wir eine der am besten erhaltenen Burgen Irlands besichtigt haben: Das »Cahir Castle«. Stone Eagle At Cahir Castle Allerdings lässt sich aus dem guten Erhaltungszustand nicht schlussfolgern, daß die Burg nicht eingenommen wurde. Sie fiel auch - wie so viele andere - den Engländern in die Hände.
 
Zunächst hatten wir geplant, uns in Cork, der Partnerstadt Kölns, eine Übernachtungsmöglichkeit zu suchen. Allerdings beschlossen wir vor Ort, dass wir doch lieber weiter in ländlichen Gebieten nach Bed & Breakfirst suchen. Da wir allenthalben die »B & B«-Schilder sahen, schien dies kein Problem zu sein. So verbrachten wir die zweite Nacht auf einer Landzunge: »Old Head Of Kinsale«. Leider ist die Spitze der Landzunge von einem Golfclub belegt, so dass man nicht ganz bis ganz nach vorne kommt. Die Aussage Einheimischer, dass dort sogar schon Tiger Woods gespielt habe, tröstet da nur wenig. Allerdings lernten wir an diesem Abend eine neue Biersorte kennen und schätzen: »Beamish«. Das Bier ist ein leicht bekömmliches Stout, das uns allen deutlich besser schmeckte, als das allseits bekannte »Guinness«.

06.06.2001 Schon bizarr: Da fährt man nach Irland, um Land und Leute kennen zu lernen. Und dann hört man morgens beim Frühstück den bekannten Klang einer »Echt Schwarzwälder Kuckucksuhr«. Nach einem weiteren ausgiebigen Frühstück und Reisetipps unserer Vermieterin machen wir uns auf den Weg.
 
Drombeg Stone Circle Das Tagesziel war die Beara Halbinsel. Da wir ausreichend Zeit hatten, fuhren wir die Küste entlang und besichtigen unterwegs noch den »Drombeg Stone Circle« Über Skibbereen und Bantry gelangten wir schließlich nach Glengariff, einem kleinen Ort, der geschützt am Rande einer Bucht liegt. Das Klima ist dort so mild, dass es seit über 20 Jahren nicht mehr geschneit hat. Garinish Gardens Der Pflanzenreichtum ist einfach überwältigend. Mit einem Boot kann man, vorbei an ein paar Robben Robben vor Garinish Island, von Glengariff zu der Insel Garinish übersetzen, wo ein englischer Millionär Anfang des 20. Jahrhundert einen fantastischen Garten angelegt hat. Die Überfahrt lohnt, auch wenn die Kosten der Überfahrt und der Eintritt auf der Insel recht happig sind.
 
Die Reise führte uns dann weiter auf die Halbinsel Beara. Ähnlich wie der weltberühmte »Ring Of Kerry« gibt es auch einen »Ring of Beara«, eine gut beschilderte Strecke, die einmal rund um die Halbinsel führt. Im Gegensatz zum »Ring Of Kerry« sind die Straßen selbst nicht so gut ausgebaut, so dass man vor Reisebussen und den damit verbundenen Touristenströmen sicher ist. Fast hätten wir in Castletownbere, einem größeren Ort, der offensichtlich von der Fischerei lebt, übernachtet. Irgendwie entschlossen wir uns dann doch, noch ein kleines Stück zu fahren. Auf diese Weise gelangten wir nach Allihies, mein persönliches Highlight der Reise. Allihies Der Ort selbst liegt inmitten einer weitläufigen Bucht Bucht von Allihies und besteht aus den für den Südwesten Irlands typischen, bunten Häusern. Seltsamerweise scheinen alle lokalen Erwerbsbetriebe (Tankstelle, Supermarkt, B & B und Pub) der Familie O´Sullivan zu gehören. Außerdem gibt es dort einen kleinen Sandstrand, der jedoch aufgrund seiner Neigung nur für Schwimmer geeignet ist. Beim Abendspaziergang trat ich dann den Beweis an, dass eine Abkürzung stets die längste Entfernung zwischen zwei Punkten darstellt. Dabei fanden wir einen wahrhaft mystischen Stein. Für Normaltouristen wäre es ein einzelner unbedeutender Felsbrocken am Wegesrand gewesen, wenn nicht ein Schild auf den »mystical stone« hingewiesen hätte. Außerdem trafen wir eine Gruppe Leute an, die Händchen haltend um eben jenen Stein herumtanzten. Der Sinn des Ganzen blieb uns jedoch verschlossen.
 
Früher wurde in den Bergen, die die Bucht umgeben, Kupfer abgebaut. Man plant zurzeit, die Ruine der ehemaligen Kirche, in ein Museum umzuwandeln, die die Geschichte des Ortes und des Kupferbergbaus aufzeigt.

07.06.2001 Beara Peninsula, Panoramic View Killarney National Park Weil Allihies so unerwartet schön war, stellten wir beim Frühstück ernsthafte Überlegungen an, wenigstens noch einen Tag hier zu verbringen. Andererseits lockte der »Ring Of Kerry«, der in einigen Reiseführern als eine der schönsten Straßen Europas beschrieben wird. Also besuchten wir noch Dursey Island, ohne jedoch mit der Seilbahn auf die Insel überzusetzen.
Anschließend folgten wir dem »Ring Of Beara« und fuhren über den »Healy Pass« Healy Pass, von wo aus wir einen fantastischen Blick über die Landschaft hatten. Das Foto, das ich dort geschossen habe, könnte glatt als Gemälde durchgehen. Ein Besuch in Kenmare rundete unseren Besuch der Beara-Halbinsel ab.
 
Über Killarney fuhren wir noch ein Stück auf den »Ring Of Kerry«, der die Halbinsel Ivaragh umgibt, hinaus, um uns eine Bleibe für die Nacht zu suchen. In allen Reiseführern wird empfohlen, den »Ring Of Kerry« entgegen dem Uhrzeigersinn zu befahren, weil die ganzen Reisebusse dies ebenfalls tun. Auf diese Weise soll es nicht zu kritischen Ausweichmanövern kommen.

08.06.2001 Was haben wir nicht alles vom »King Of Kerry« gelesen und gehört. »Ein absolutes Muss« hieß es da, »eine der schönsten Straßen Europas« oder »atemberaubende Aussicht«. Nun. Viele Straßen Irlands können die Redakteure der Reiseführer nicht befahren haben. Der »Ring Of Kerry« ist eine passabel (für irische Verhältnisse hervorragend) ausgebaute Straße, die größtenteils durch das Innere der Halbinsel Ivaragh führt. Gelegentlich hat man zwischendurch gute Aussicht und mancher Rastplatz lädt zum Anhalten und Verweilen ein. Das ganze ist aber so touristisch erschlossen Touristen am Ring Of Kerry, dass es schon keinen Spaß mehr macht. Insgesamt waren wir vom »Ring Of Beara« mehr beeindruckt.
 
Bray Head, Valentia Island Nachdem wir eine Weile hinter einem Reisebus hergefahren sind, entschlossen wir uns, den »Ring Of Kerry« zu verlassen und die Insel Valentia zu besuchen. Die Insel ist mit einem PKW ganz komfortabel entweder über eine Fähre oder eine Brücke zu erreichen. Dort angekommen, machten wir einen Spaziergang zum Bray Head, dem westlichsten Punkt der Insel und gleichzeitig einem der westlichsten Punkte Europas. Skellig Islands Das linke Foto wurde mit Blickrichtung Nordosten aufgenommen, so dass im Hintergrund die Dingle-Halbinsel, unser Reiseziel für den folgenden Tag zu erkennen ist. Westlich von Bray Head sind im Atlantik die Skellig Inseln (rechtes Bild) zu erkennen, auf denen die Reste einer frühchristlichen Mönchssiedlung zu besichtigen sind. Allerdings dauert die Anfahrt bereits 2 Std. mit einem kleinen Boot, so dass wir auf diese Tour verzichtet haben.
 
Stagiue Fort Ein Abstecher zu dem »Stagiue Fort« lohnt. Es handelt sich dabei um eine Festung aus der Eisenzeit, die ohne Lehm und Mörtel aufgebaut wurde. Obwohl die Mauern bereits über 3000 Jahre alt sind, ist die Anlage noch bemerkenswert gut erhalten.
 
Auch wir haben den »King Of Kerry« entgegen dem Uhrzeigersinn befahren. Das bedeutete, dass wir erneut in Kenmare auskamen. Damit wir auf der Weiterfahrt nach Norden nicht wieder über Killarney fahren mussten, hatten wir anhand der Straßenkarte eine alternative Route ausgewählt, die uns mitten durch die »Maegillyeuddy´s Reeks« führen sollte: Das »Gap Of Dunloe« Gap Of Dunloe Dabei handelt es sich um eine schmale Passstraße, die erst seit einigen Jahren wieder für den Autoverkehr geöffnet ist. Wenn man den Pass befahren hat, fragt man sich nicht mehr, weshalb er gesperrt war. Mitten im Berg stand ein ausgebranntes Autowrack, das offensichtlich den Aufstieg nicht geschafft hat und jetzt - aufgrund der abgelegenen Position - seit längerem wohl auf den Abschleppwagen wartet. Wir hatten unseren Mietwagen auch fast hingerichtet. Mir ist nicht erinnerlich, dass auf der gesamten übrigen Strecke durch Irland die Kupplung und Bremse des Fahrzeuges derart beansprucht wurde.
 
Eine Anekdote am Rande: Rookie erzählte unterwegs, wie froh er sei, dass ihm auf der Straße bislang kein LKW entgegengekommen sei. Auf Igors Vorhalt, dass er mit solchen Aussagen vorsichtig sein solle, weil Murphy bekanntlich immer mitfahre, erhob Rookie nur den Finger und rief: »Ich fordere Dich heraus!« Kaum ausgesprochen, kam ein Mitsubishi Pajero mit Pferdeanhänger über die nächste Kuppe. Natürlich begegneten wir dem Fahrzeug an der denkbar ungünstigen Stelle. Ein weiterer Beweis für eine Konstante des Universums: Murphys Law.
 
Am Abend machten wir Inch (Dingle Halbinsel) Halt, wo wir in dem örtlichen Pub übernachteten. Bevor wir uns dem allabendlichen Stout widmeten, machten wir noch einen kleinen Spaziergang über den etwa 5 km langen Muschelsandstand von Inch.

just another stone house 09.06.2001 Vor einem Steinhaus ganz anderer Art standen wir am folgenden Tag. Es handelt sich zwar nur um ein Cafe, aber die Dachkonstruktion ist schon faszinierend. An diesem Tag haben wir die Halbinsel Dingle erkundet. Über die Stadt Dingle, der westlichsten Europas, fuhren wir bis zur Spitze der Halbinsel. Ein kurzer Abstecher zur Bucht von Smerwick und dann wieder nach Dingle zurück. Smerwick Bay Anschließend fuhren wir über den Connor Pass (Nach dem »Gap Of Dunloe« vom Vortag konnte uns nichts mehr schocken) und dann an der Nordseite der Halbinsel in Richtung Tralee entlang. Da wir am nächsten Tag schon abreisen sollten, ging es zurück nach Limerick. Von einem B & B, dass wir im Herzen Limericks gefunden hatten, starteten wir einen letzten Pubbesuch, und ließen unseren Urlaub nochmals Revue passieren. Insgesamt kamen wir zu dem Schluss, daß sich die Reise in jedem Fall gelohnt hat. Zumindest für mich steht fest, dass ich Irland nicht das letzte Mal besucht habe.
10.06.2001 Unser Flug sollte erst um 14.00 Uhr starten. Also blieb noch genug Zeit, sich in der unmittelbaren Nähe von Shannon noch eine Sehenswürdigkeit anzusehen: Das Bunratty Castle und des zugehörige Folk Village. Vor Ort angekommen, disponierten wir angesichts eines Eintrittspreises von umgerechnet 16,00 DM pro Person schnell um. Eine weitere Burg in der Nähe war bereits ausgeschildert, so dass wir - den Schildern folgend - das Knappogue Castle Knappogue Castle besichtigten, in dem mittelalterliche Bankette Speisesaal veranstaltet werden.
 
Mittags gaben wir dann am Flughafen Shannon wie vereinbart unseren Mietwagen zurück. Unsere Fahrstrecke laut Meilenzähler: 750 miles

Zu guter Letzt sind auf Igors Homepage die persönlicheren Reiseerinnerungen zusammen getragen worden.