Ein Bericht meiner Kanadareise vom 14.Februar bis 09 März 2003. Nach der Kanadareise im Jahr 2000 war klar, daß ich dieses Land nicht zum letzten Mal bereist habe. Igor[Rock] hatte inzwischen mit Rookie[Rock] im September 2001 eine weitere Kanadareise unternommen, die in der Auswahl der besuchten Plätze über weite Strecken mit unserer Reise des Jahres 2000 identisch war. So erschien es nur logisch, daß wir zu Dritt eine gemeinsame Reise planten, die uns zu einer anderen Jahreszeit einmal an andere Plätze des zweitgrössten Landes der Erde führen sollte.
Toronto - Niagarafälle - Vancouver - Prince Rupert - Stewart / Hyder - The Skeena - Jasper - The Canadian - Winnipeg
Erste Planungen zu der Reise fanden bereits im März/April des Vorjahres statt. Zu diesem Zeitpunkt konnte noch niemand die weitere Entwickung des Irak-Konfliktes voraussehen. So kam es, daß wir mit British Airways von Köln über London Heathrow nach Toronto reisten, obwohl gerade in dieser Woche mit Terroranschlägen auf den Flughafen in London gerechnet wurde. Das Ergebnis war eine massive Militärpräsenz. Infolge der verschärften Sicherheitskontrollen wurden sogar Rookies Schuhe geröntgt nachdem der Metalldetektor angeschlagen hatte. Die Nervösität war geradezu greifbar. Es war sogar von Luftabwehrraketen die Rede, mit der man einen startenden Jumbojet abschießen könne. So konnten wir alle also beim Start unserer Boeing 747-400 der British Airways, die pünklich um 12.30 Uhr abhob, ein mulmiges Gefühl nicht verleugnen. Den Daheimgebliebenen hatte ich nur mitgeteilt: »Macht Euch keine Sorgen. Wenn mir was passiert, komme ich wenigstens in den Nachrichten.«.
14.-17.02.2003; 05.-08.2003
Auch diesmal bildete Toronto sowohl den Ausgangs- als auch den Endpunkt unserer Reise. Gleich am ersten Tag besuchten wir den CN-Tower, wobei wir das Glück hatten, unter den ersten Besuchern des Tages zu sein. Auf diese Weise hatten wir den Glasfußboden in 360m Höhe eine Weile für uns alleine. Und bei dem herrlichen, wolkenlosen Himmel haben wir auch gerne die zusätzlichen acht Dollar für den Besuch des Skypods inverstiert.
Von hoch oben sahen wir dann, daß die Wasserfläche zwischen der Habour Front Torontos und den Inseln mehr oder weniger vereist war und auch das von Toronto entfernte Ufer der Inseln zumindest eine teilweise gefrorene Brandung aufwies. Spontan entschlossen wir uns zu einem Ausflug auf die Inseln, die eigentlich erst in den nächsten Tagen besucht werden sollten. Wir wurden nicht enttäuscht: Am steinigen Ufer hatte das gefrorene Wasser einige schöne Eisformationen
Die Hockey Hall Of Fame in unmittelbarer Nachbarschaft zum BCE-Place ist einen Besuch wert. Das Museum ist ganz auf den Eishockeysport ausgerichtet und widmet Wayne Gretzky, einem kanadischen Ausnahmespieler, der nahezu jeden Rekord innehat, eine ganze Abteilung. Wer Glück hat, kann auch den berühmten Stanley-Cup bewundern, der in der stilvollen Haupthalle des Gebäudes ausgestellt ist.
Der architekturinteressierte Besucher kann die City Hall besuchen. Von dem markanten Design der Gebäudes leitet sich das Logo der Stadt ab. In der Haupthalle kann sich der Besucher frei bewegen und anhand eines Merkblattes, das in vielen Sprachen zur Verfügung steht, die Besonderheiten der Stadtverwaltung erkunden. Wer der Architektur der sechziger Jahre kaum etwas abgewinnen kann, kommt dennoch auf seine Kosten: Man einen Blick in das Vorzimmer des Bürgermeisters werfen, dessen Amtskette dort gut sichtbar ausgestellt ist. Ebenso befindet sich ein recht großes Modell der Innenstadt im Gebäude. Obwohl das Godderham Building zum Beispiel recht klein ist, läßt es sich anhand seiner markanten Bügeleisenform auf dem Modell leicht ausmachen. In natura ist das Gebäude allerdings ebenfalls sehenswert.16.02.2003
Die Niagarafälle haben wir ebenfalls bereits im Jahr 2000 besucht. Da wir diesmal jedoch im Winter in Kanada unterwegs waren, wollten wir die Fälle auch zu dieser Jahreszeit einmal sehen. Diesmal fuhren wir jedoch nicht mit Jo-Jo-Tours, sondern einem anderen Veranstalter. Eine Wahl, die wir sehr bald bereut haben: Die Fahrt fand mit einem klapprigen ehemaligen Schulbus statt, dessen Heizung ausgefallen war. Folglich waren die Seitenscheiben des Busses ständig mit Eisblumen überzogen, so daß nicht abzuschätzen war, wo wir uns gerade befanden. Außerdem ließ uns der Fahrer nicht unmittelbar an den Fällen aussteigen, sondern in der Stadt Niagara Falls.
Somit verbrachten wir einen Teil unseres zweistündigen Aufenthaltes an den Fällen mit dem Weg dorthin und wieder zurück. Das ganze bei deutlichen Minusgraden und - bedingt durch die Fälle - einer extrem hohen Luftfeuchtigkeit. Dennoch war die Tour der Mühen wert: Im Winter schlägt sich die Gischt der Fälle in der unmittelbaren Umgebung nieder und überzieht alles mit einer Eisschicht.17.02.-21.02.2003
Von Toronto aus reisten wir mit tango
Dennoch haben wir in Vancouver viel unternehmen können. Downtown Vancouver liegt auf einer Halbinsel, die überdies zur Hälfte durch den Stanley Park, einem Naherholungsgebiet, eingenommen wird. Hier bietet sich reichlich Gelegenheit, ausgiebig spazieren zu gehen und zahlreiche Bänke laden zum Verweilen ein. Das Vancouver Aquarium im Stanley Park beherbergt neben der nahezu üblichen Sammlung von Meerestieren einige Belugawale. Auch hier vergeht der Tag wie im Fluge, zumal auch zahlreiche Vorführungen gegeben werden.
Ein touristisches Muß ist jedoch ein Spaziergang in Gastown. Obwohl wir zur absoluten Nebensaison unterwegs waren, konnte man recht gut erahnen, was im Sommer in diesen Straßen los sein muß: Hier drängelt sich ein Souvenier-Shop an den anderen. Was die Sehenswürdigekeiten angeht, blieb uns wenigstens das Pech treu. Die Steam Clock, eine Standuhr, die zu jeder vollen Stunde dampfbetrieben die Big-Ben-Melodie pfeift, war infolge eines Verkehrsunfalles in der Vorwoche erstmalig seit über 25 Jahren außer Betrieb. Wenigstens stand die Bronzestatue von Gassy Jack, einem stadtbekannten Großmaul, der in Gastown einige Saloons betrieb, aber noch an seinem Platz.21.02.-26.02.2003
Für mich stellt unsere Zeit in Prince Rupert eines der absoluten Highlights der Reise dar. Großen Anteil am Erfolg hatte die das örtliche B & B, in dem wir uns einquartiert hatten. Hier hatten wir die mit Abstand besten Zimmer unserer gesamten Reise zur Verfügung. Das gute und reichhaltige Frühstück werden wir in ebenso guter Erinnerung behalten, wie die ausfühlichen Gespräche mit den Vermietern. Auf diese Weise erfuhren wir eine Menge Wissenwertes über die Gegend. Der Ort selbst hat 17.500 Einwohner und derzeit ein kleines Strukturproblem. Nachdem die örtliche Papiermühle geschlossen hat und die Fischerei merklich zurückgegangen ist, kämpft der Ort mit einer hohen Arbeitslosigkeit. Inzwischen ist man dabei, den Tourismus als Einnahmequelle zu erschließen. Das deutlichste Zeichen ist ein kürzlich neu erbautes Museum über die Geschichte der Gegend, in dem überwiegend die indianische Kultur dargestellt wird. Das Museum of Northern B.C. ist bedeutend größer, als es von außen erscheint: Der Eintritt lohnt sich also in jedem Fall.
Zur Hauptsaison finden sich auch zahlreiche Angebote, die umliegende Gegend zu erkunden. Gleichzeitig kann man zum Whale-Watching auf das Meer hinausfahren oder im Binnenland Bären beobachten. Zu unserer Reisezeit wurde freilich noch nichts von alledem angeboten, zumal die Bären noch im Winterschlaf waren und die Wale sich in anderen Gewässern aufhielten. Dennoch haben wir eine überwältigende Natur
Da das nördliche British Columbia recht dünn besiedelt ist, können eine Orte nur auf den Luft- bzw. Wasserweg erreicht werden. So kommt es, daß in Prince Rupert einige Gesellschaften angesiedelt sind, die die entlegenen Orte mit Flügen bedienen. Im Einsatz sind vornehmlich Wasserflugzeuge, die auch preiswerte Mitflugmöglichkeiten bieten. Es liegt auf der Hand, daß wir also 140 Dollar für einen Flug zum Indianerdorf Kitkatla investierten.
Der Flug bei klarem Wetter war unbeschreiblich. Im Vordergrund die baumbestandene Insellandschaft der Pazifikküste, im Hintergrund die schneebedeckten Gipfel der Küstenberge. Da der Pilot sah, daß ich eine Kameratasche dabei hatte, hat er mich aufgefordert, auf dem Copilotensitz seiner De Havilland DHC3, Baujahr 1964 23. & 24.02.2003
Unsere Fahrt führte entlang des Flusses Skeena über Terrace nach Kintwanga, wo wir den Highway Nr. 16 verließen und nordwärts durch 130 km Wildnis fuhren. Hier lag dann auch schon deutlich mehr Schnee. Lediglich einigen Holz-LKW 26.02. & 27.02.2003
Der Zug startet bereits morgens in Prince Rupert und fährt über eine weite Strecke entlang des Skeena River, nachdem er benannt wurde. Wenn das Wetter mitspielt, hat man wieder die Gelegenheit, die tolle Aussicht auf die Coastal Mountains zu genießen. Wenn der Zug sechs Stunden später in Smithers Station macht, beginnt ein etwas langweiligerer Abschnitt der Reise: Der Zug führt durch die Hochebene, die zwischen den Coastal Mountains und den Rocky Mountains liegt. Hier gibt es nicht ganz so tolle Aussicht, aber dafür entschädigt der Streckenabschnitt am zweiten Tag jedoch völlig. Vor allem die letzten beiden Stunden, wenn sich der Trasse in die Berge hineinschraubt sind geradezu sprektakulär: Man fährt im Blumenpflücktempo am Mount Robson, mit fast 4000m der höchste Berg der Kanadischen Rocky Mountains, vorbei und überquert am Yellowhead-Paß die Grenze zwischen British Columbia und Alberta.27.02. - 01.03.2003
Zahlreiche Andenkenläden legen in Jasper Zeugnis davon ab, daß der Ort mit seinen 7500 Einwohnern ganz klar auf Tourismus ausgerichtet ist. Andererseits liegt der Ort inmitten der Rocky Mountains zwischen den Nationalparks Banff und Jasper, was eine touristische Vermarktung der tollen Landschaft geradezu verlangt. Einige der berühmtesten Fotomotive Kanadas, wie zum Beispiel Spirit Island im Lake Maligne liegen in dieser Gegend. Die Freizeitangebote sind vielfältig und verlangen gelegentlich nach besonderer finanzieller Beweglichkeit. Von einfachen Skifahrten über eine Snowmobiltour, Hundeschlittenfahrt bis hin zu Hubschrauberrundflügen ist hier alles zu haben.
Wir entschieden uns dafür, ein kleines Naturwunder im Nationalpark Jasper zu besichtigen: Der Maligne Canyon, der im Winter komplett zufriert und eine bizarre und wunderschöne Eislandschaft bildet. Weil man sich im Naturschutzgebiet bewegt, ist der Zugang zu dem Canyon nur mit geführten Touren möglich. Die erforderliche Ausrüstung (Stiefel und Spikes) wird gestellt.01. & 02.03.; 04. & 05.03.2003
Der Canadian ist der Luxusreisezug Kanadas schlechthin und fährt in kanpp fünf Tagen von Vancouver nach Toronto. Wenn wir schon in Kanada mit dem Zug unterwegs waren, dann wollten wir uns auch dieses Erlebnis nicht nehmen lassen. Wir stiegen in Jasper zu und reisten mit einer Unterbrechung in Winnipeg die 3.800 km bis Toronto.
Da wir auch im Zug übernachteten, haben wir uns in der ersten Klasse, der sogenannten Silver & Blue Class, einquartiert, damit wir vernünftige Liegeplätze hatten, während die Reisenden der zweiten Klasse allenfalls die Sitze umklappen konnten. Die Aussichtswagen waren uns von der Struktur bereits vom Skeena bekannt. Die im Reisepreis enthaltenen Menüs des Speisewagens erwiesen sich als sehr gut. Da man das Essen auf Porzellantellern servierte und an jedem Platz echtes Silberbesteck auslag, hatte das ganze mehr von einem Gourmetrestaurant als einem Speisewagen.02. - 04.03.2003
Wenn wir Kanadiern erzälten, daß uns unsere Reise auch nach Winnipeg führen sollte, ernteten wir stets mitleidige Blicke. Kanadier nennen die Stadt gelegentlich auch Winterpeg. Andererseits wollten wir im Winter auch mal dahin, wo es richtig kalt ist. Bei unserem Aufenthalt hatten wir bei -25° Celsius Lufttemperatur und ein Windchill von -40° Celsius. Damit war klar, daß wir uns nicht allzu lange im Freien aufhalten konnten. Winnipeg hat auch wie Toronto ein in der Innenstadt vernetztes Wegesystem, daß es dem Besucher ermöglicht, von einem Gebäude in ein anderes zu gelangen, ohne in das Freie zu treten. Da das Wegesystem im Gegensatz zum PATH nicht unterirdisch, sondern auf höhe des ersten Stocks verläuft, nennt man das System hier Skywalk. Außerdem ist der Skywalk bei weitem nicht so ausgeprägt und derzeit infolge einer Baustelle an einem maßgeblichen Knotenpunkt unterbrochen.
Unsere Planung lief darauf hinaus, daß wir uns einige Museen ansehen wollten. Aber hier hatte uns das Zeitgefühl Anfang der dritten Woche völlig verlassen. Wir waren zu dritt der vollen Überzeugung, an einem Sonntag die Museen aufzusuchen, mußten aber bald feststellen, daß wir tatsächlich Montag hatten und uns allenfalls die Ausstellung »Montags geschlossen« ansehen konnten. So machten wir dennoch einen Spaziergang durch die Stadt und liefen über einen der zugefrorenen Flüsse, auf der neben einer Schlittschuhbahn auch ein Eishockyfeld präpariert war. An der Mündung des Red River und des Assiniboine River liegen unweit der Eisenbahnstation »The Forks«, mehrere Hallen mit zahlreichen kleinen Läden, die zum Stöbern einladen. Hier haben wir unseren Rundgang durch die Stadt dann auch beendet und das ein nahegelegenes Drehrestaurant aufgesucht. Hier verbrachten Igor und ich mehrere Runden bei Labatt Blue, einem einheimischen Pilsener, und beobachteten, wie langsam die Nacht über Winnipeg hereinbrach.
Toronto - Niagarafälle - Vancouver - Prince Rupert - Stewart / Hyder - The Skeena - Jasper - The Canadian - Winnipeg
| © 2003 Markus Schruff |