Ostkanada 2000


Ein Bericht meiner Kanadareise vom 04. September bis 22. September 2000. In Begleitung: Igor[Rock]. Er war bereits im Winter 2000 für zwei Monate in Kanada gewesen. Sein begeisterter Bericht und seine zahlreichen Fotos sorgten dafür, dass auch mich das Fernweh packte. Da Igor[Rock] unbedingt ein weiteres Mal nach Kanada wollte, flog ich diesmal also einfach mit.


Toronto - Niagarafälle - Montreal - Quebec - La Jacques Cartier - Ottawa - Kitchener


Thumbnail:Dash 8 04.09.2000 Nach langer Vorbereitung ging es endlich los: Von Köln mit dem Zug nach Frankfurt, von dort in das Flugzeug (Airbus A 330, U.S. Airways) nach Pittsburgh. Das Flugzeug hatte allerdings Verspätung, so dass wir unseren Anschlussflug nach Toronto (in einer MD 80) verpasst haben. Dafür wurden wir umgebucht und konnten knapp zwei Stunden später mit einer zweimotorigen Turbopropmaschine (Dash 8) starten. Immerhin erwies sich das als echter Glücksfall. Auf diese Weise hatte ich einen Fensterplatz und konnte einen ersten Blick auf dem Lake Erie, die Niagarafälle, den Lake Ontario und Toronto werfen. Was für ein Auftakt !

Toronto

04.-08.09.2000; 16.-22.09.2000


Thumbnail: Toronto Skyline Gleich am ersten Tag besuchten wir also das bekannteste Bauwerk der Stadt Toronto: Den 553m hohen CN Tower, der seit 1976 das Wahrzeichen der Stadt und gleichzeitig das höchste Gebäude der Welt ist. In einer knappen Minute fährt man mit einem Außenaufzug auf das Besucherdeck. Dort erwartet einen neben einem tollen Ausblick über die Stadt auch ein Glasfußboden, der den Blick auf den 360m entfernten Erdboden ermöglicht. Immerhin soll der Boden von seiner statischen Auslegung etliche Tonnen tragen können, aber ein merkwürdiges Gefühl ist es schon, über diesen Boden zu gehen.
Thumbnail: Financial District Für einen zusätzlichen Betrag kann man mit einem weiteren Aufzug (Diesmal im Turminneren) in den höher gelegenen Skypod fahren. Auf Bildern des CN Tower kann man den Skypod als den Wulst ausmachen, der sich unmittelbar unter der weiß gestrichenen Turmspitze befindet. Der Blick auf die Stadt, den man von dem 447m hohen Beobachtungspunkt bekommt, ist jeden Dollar wert. Von oben auf Wolkenkratzer zu sehen, ist nicht ohne Reiz. An klarem Wetter kann man angeblich die Gischt der Niagarafälle erkennen. Allerdings ist die weitere Umgebung Torontos ohne weitere optischen Reize. In alle Richtungen erstreckt sich der flache Horizont. Nirgends ist auch nur die Andeutung eines Hügels auszumachen. Von Bergen will ich gar nicht erst anfangen...
 
Die ganze Innenstadt Torontos ist von einem unterirdischen Wegesystem, dem PATH, durchzogen. Insgesamt verfügt der PATH über eine Wegstrecke von 13km, auf der zahlreiche Geschäfte, darunter zwei große Einkaufzentren, untergebracht sind. Bei schlechtem Wetter (oder im Winter) kann man so quer durch die Innenstadt gehen, ohne auch nur einmal an die Erdoberfläche zu kommen.
 
Thumbnail: Godderham Building Andererseits lohnt jedoch ein Spaziergang durch die Straßenschluchten des Financial District und entlang der Harbour Front. Neben den spiegelnden Fassaden der Wolkenkratzer stößt man gelegentlich auf manch interessantes Bauwerk, wie dem hier abgebildeten Godderham Building. Wer die Augen offen hält, dem wird auch so manches bekannt vorkommen: Da die Filmerlaubnis für Kinoproduktionen in New York exorbitant teuer sind, muss manches Mal das deutlich preiswertere Toronto als Manhattan herhalten.
Thumbnail: Casa Loma Eine weitere sehenswerte Attraktion ist das Casa Loma. Hier hat sich Sir Henry Mill Pellat, der mit Elektrizität reich wurde, einen Traum erfüllt. Die Villa wurde als »mittelalterliches« Schloss geplant, das auf der höchsten Erhebung (Ich tippe mal so auf 30 m) Torontos gebaut wurde. Sir Pellat glaubte, dass sich dort das Stadtzentrum entwickeln werde. 1911 wurde mit dem Bau begonnen. Nach knapp 3 Jahren Bauzeit und einem damaligen Kostenaufwand von 3.500.000 Kanadischen Dollar konnte die Villa bezogen werden. Die optische Anlehnung ein Schloss täuscht ein wenig darüber hinweg, dass das Gebäude mit modernster Technik, z.B. einem Aufzug und einem eigenen Telefonnetz ausgestattet war. Allerdings musste das Casa Loma aus finanziellen Gründen bereits 10 Jahre später aufgegeben werden. Heute kann die Anlage als Museum besichtigt werden. Ein unterirdischer, 244m langer Tunnel verbindet das Hauptgebäude mit den Stallungen, deren Besuch ebenso lohnt wie ein Rundgang durch die Gärten.
 
Toronto hat aber noch mehr zu bieten: Im Verlauf der Reise haben wir uns das Ontario Science Center angesehen. Ein Museum, das hierzulande nur mit dem Deutschen Museum in München zu vergleichen ist. Allerdings wird im Ontario Science Center mehr Wert darauf gelegt, den Besucher in die Ausstellung mit einzubeziehen. Einfache Vorgänge werden anhand von Experimenten erläutert, die jeder Besucher mitmachen darf. Darüber hinaus gibt es zu jedem Fachgebiet regelmäßige Vorführungen.
 
Thumbnail: Toronto Skyline Ein Ausflug mit der Fähre auf die Toronto vorgelagerten Inseln ist unbedingt zu empfehlen. Die Inseln, ein sehr leicht erreichbares Naherholungsgebiet, beherbergen eine kleine Künstlerkolonie und einen Sandstand, der geradezu zum Baden im Ontariosee einlädt. Während unseres Spazierganges dort habe ich ein Foto gemacht, dass zu meinen absoluten Lieblingsbildern der Reise zählt. Der Blick gleitet durch eine von Büschen gesäumte, stille Bucht auf die entfernte Skyline Torontos, die sich bei klarem Wetter im Wasser spiegelt. Dieses Bild will ich den Besuchern meiner Seite natürlich nicht vorenthalten.
In Toronto ist seinerzeit der Pub Crawl des Hostels mangels Interesse ausgefallen. Dies hinderte uns jedoch nicht, unsere eigene Kneipentour zu starten. Toronto ist eine pulsierende Stadt, in der rund um die Uhr etwas los ist. Oftmals spielen Livebands. In einem Lokal erlebten wir sogar einen feuerspuckenden Barkeeper.

Niagarafälle

05.09.2000


Während unseres Kanadaaufenthaltes haben wir ausschließlich in Jugendherbergen (eigentlich: Hostels) übernachtet. Dies ist erheblich kostengünstiger als ein Hotelaufenthalt, bedeutet jedoch auch, gewisse Kompromisse in Bezug auf Bequemlichkeit einzugehen. Auf der anderen Seite lernt man unweigerlich andere Leute kennen, nachdem man sich ja zwangsweise das Zimmer teilt. Außerdem werden kleinere Touren preiswert vor Ort von kleineren lokalen Veranstaltern angeboten. Auf diese Weise konnten wir auch zu den Niagarafällen fahren. Wir entschieden uns für Jo-Jo Tours, obwohl es kostengünstigere Angebote gab. Eine Wahl, die wir jedoch nicht bereut haben, da uns im Gegensatz zu anderen Anbietern an den Niagarafällen vier Stunden Zeit zur freien Verfügung stand.
An den Fällen angekommen, erhielt unsere siebenköpfige Reisegruppe ein Frühstück, während dessen Jo-Jo, die Reiseleiterin, uns kurz die Freizeitmöglichkeiten an den Fällen erläuterte.
Thumbnail: Niagara Falls Geologisch gesehen sind die Niagarafälle noch sehr jung. Sie entstanden, als sich nach der letzten Eiszeit, also vor etwa 10.000 Jahren, die Erde hob. Dabei entstand ein deutlicher Höhenunterschied zwischen dem Lake Erie und dem Lake Ontario. Aufgrund der großen transportierten Wassermenge hat der Fluss eine erhebliche erodierende Wirkung entfaltet, was dazu führte, dass die heutige Abbruchkante von der ursprünglichen etliche Kilometer entfernt ist. Ein großer Teil des Flusswassers wird jedoch seit Ende des 19. Jahrhunderts zur Stromproduktion abgezweigt, so dass die Erosion daraufhin stark nachgelassen hat. An den American Falls hat es zum Beispiel in den fünfziger Jahren einen großen Gesteinsabbruch gegeben, der bis heute nicht von den Wassermassen abgetragen werden konnte. Auch die Geschwindigkeit, mit der sich die Fälle fortbewegen, hat nachgelassen. Bewegte sich früher die Abbruchkante im Schnitt 1 Fuß pro Jahr zurück, sind es heute nur noch 1 Fuß in fünf Jahren.
Thumbnail: Burger King, Niagara Falls Einen kurzen Fußweg von den Niagarafällen entfernt befindet sich der Ort »Niagara Falls«, der aufgrund der Touristenströme zu einer Art »Las Vegas für Arme« mutiert ist. Wie das nebenstehende Bild zeigt, ist die Architektur dort reichlich seltsam.
Thumbnail: Niagara On The Lake Im Gegensatz dazu hat man im Ort »Niagara On The Lake«, der sich an der Mündung des Flusses Niagara in den Ontariosee befindet, darauf geachtet, dass der Baustil des 18. Jahrhunderts erhalten bleibt. Auch Neubauten müssen sich dem historischen Erscheinungsbild der Stadt anpassen. Das Ergebnis ist eine recht hübsch anzusehende Stadt, die ebenfalls in erheblichen Umfang von Touristen heimgesucht wird.
Hierzulande ist kaum bekannt, dass im Niagaragebiet hervorragender Wein angebaut wird. Die anschließenden zwei Weinproben waren da genau das Richtige für mich.

Montreal

08.09.-09.09.2000


Kaum ein Kanadier konnte verstehen, dass mir Montreal nicht gefiel. Aber ich halte die Stadt einfach für eine hässliche Großstadt ohne besonderes Flair. Dabei ist die Stadt mit Ihren 3 Millionen Einwohnern die zweitgrößte französischsprachige Stadt der Welt. Dass man eine Stadt über sportliche Highlights wie Formel-1-Rennen oder Olympische Winterspiele definiert, ist ein Beleg dafür, dass sonst dort kaum was los ist. Zugegeben: Man kann dort gut shoppen, aber ich fahre nicht zum Einkaufen in den Urlaub, obwohl ich mir zwei Levis 501 zum Preis von je 45 Kanadischen Dollar dann doch mitnehmen musste.

Quebec

09.09.-12.09.2000


Im Hinblick auf meine Aussagen zu Montreal könnte man meinen, ich sei ein wenig, sagen wir mal, frankophob. Allerdings dürfte mein Bericht zu unserem Aufenthalt in Quebec diesen Eindruck nicht stützen. Thumbnail: Quebec City Quebec City liegt - ebenso wie Montreal - an dem St.Lorenz Strom und ist wohl die europäischste Stadt Nordamerikas. Dies hat seine Ursache darin, dass die Stadt bereits 1608 als Hauptstadt Neu-Frankreichs gegründet wurde. Heute besteht die Innenstadt aus zahlreichen engen Gassen und einer Architektur, wie man sie sonst nur in Europa findet. Die einzige intakte Stadtmauer Nordamerikas nördlich von Mexiko unterstreicht diesen Eindruck. Allerdings hat die Stadtmauer nicht viel genützt, denn 1759 fiel die Stadt nach langer Belagerung an die Briten. Dennoch hat sich die gesamte Provinz Quebec bis heute seinen französischen Charakter bewahren können. Thumbnail: Quebec City Dort gibt es eine recht starke Separationsbewegung, die zum Ziel hat, die Provinz Quebec aus der Kanadischen Föderation zu lösen. Vor einigen Jahren gab es diesbezüglichen einen Volksentscheid, der nur denkbar knapp zugunsten Kanadas ausgegangen ist. Über die volkswirtschaftlichen Nachteile dieser Bestrebungen braucht hier nicht viel gesagt zu werden. In einer Region, deren Wirtschaftmotor ohnehin die Provinz Ontario ist, wird wohl kaum ein internationaler Investor im separationsverdächtigen Quebec investieren. Von der Zustimmung weiter Bevölkerungsteile zur Abspaltung der Provinz konnten wir uns jedoch selbst überzeugen: Eines Abends befanden wir uns in einer gemütlichen Kneipe, in der ein Chansonnier eine Vorstellung gab. Nicht nur, dass uns dort gelegentlich Schriftzüge wie »Vive Le Quebec« begegneten, nein, plötzlich fragte der Sänger, ob »anglophile Personen« anwesend seien, bevor er aufspielte. Meine Französischkenntnisse reichen zwar nur so weit, dass ich nicht verhungere und wohl stets ein Dach über den Kopf haben werde, allerdings konnte man an der Reaktion des Publikums sehr gut ableiten, dass er wohl absolute Pro-Quebec-Lieder anstimmte.
Ansonsten hatten wir in Quebec auch so viel Spaß gehabt: An unserem vorletzten Tag hatten wir beschlossen, das »Musée du Fort«, in dem die Schlacht zwischen Franzosen und Engländern auf einem großen Landschaftsmodell nachgestellt ist, zu besuchen. Allerdings rächte sich hier der von uns gewählte Reisetermin. In der Nachsaison hat das Museum montags geschlossen. So blieb uns nicht anderes übrig, als die Geschehnisse des Frühjahres 1759 anhand der zahlreichen vorhandenen Hinweistafeln und unter Zuhilfenahme eines Reiseführers vor Ort auf historischen Grund nachzuvollziehen. Im Anschluss daran schlossen wir einen spontanen Spaziergang an, um die Stadt ein wenig abseits des Zentrums zu erkunden. Dabei ignorierten wir völlig, dass wir beide keinen vernünftigen Stadtplan besaßen. Nachdem wir also plötzlich ein kurzes Stück entlang eines Highways gingen (Kaum zu glauben, dort begegneten wir einer anderen Fußgängerin), fanden wir bald die Möglichkeit, am Fuße des Berges den Highway wieder zu verlassen. Kurz darauf entdeckten wir dann eine Holztreppe, die den Berg hinaufführte. Da die Treppe von Büschen überwachsen war, konnten wir das Ende der Treppe nicht ausmachen. Selbst die breit grinsenden Gesichter zweier Passanten, die uns unten entgegenkamen, konnten uns nicht von unserem Vorhaben, diesen Aufstieg zu nutzen, abbringen.
Thumbnail: Treppenaufgang in Quebec City Dem nebenstehenden Bild kann man gut entnehmen, was wir uns da angetan haben. Die Bilder haben wir etwa in der Mitte des Treppenaufgangs Rücken an Rücken aufgenommen. Untrainiert wie wir waren, mussten wir doch unterwegs eine Pause einlegen. Oben angekommen, war uns dann nach einer Erfrischung zumute, obwohl dieser Tag ein wenig regnerisch war. So beschlossen wir, das Drehrestaurant eines in Sichtweite befindlichen Hotels aufzusuchen. Kaum hatten wir im Lokal Platz genommen, bestellten wir schon eine Runde Heineken Bier. Thumbnail: Kirche zu verkaufen Was dann folgte, war eine lustige Stunde voller alkoholunterstützter Albernheiten, während wir eine vollständige Drehung des Restaurants mitmachten. Nur soviel: Ich werde wohl nie wieder eine Flasche Heineken ansehen können, ohne dabei zu grinsen. Außerdem dürften wir die einzigen Teilnehmer des abendlichen Pub Crawls des Hostels gewesen sein, die - zugegeben - ein wenig vorgeglüht hatten. Dies hinderte uns aber nicht daran, eben jenen Pub Crawl als letzte Teilnehmer auch zu beenden.

La Jacques-Cartier

10.09.2000


Nachdem wir uns die ganze Zeit nur in den großen Städten tummelten, beschlossen wir, einen Abstecher von Quebec in den nahe gelegen Nationalpark Jacques-Cartier zu machen. Um ehrlich zu sein, war dies eines der großen Highlights unserer Ostkanada-Tour. Mit einem original nordamerikanischen Schulbus Thumbnail: Schulbus fuhren wir sonntagsmorgens um 8.00 Uhr von unserem Hostel los. Die Anreise dauerte nur knapp 20 Minuten.
Thumbnail: La Jacques-Cartier Thumbnail: La Jacques-Cartier Im Nationalpark selbst bot sich uns ein unbeschreiblicher Anblick, dem die hier vorliegenden Bilder nur Ansatzweise gerecht werden können. Obwohl ich selbst aus dem Naturpark Nordeifel stamme, wurde mir richtig bewusst, welch tiefe Spuren der Mensch schon in der Eifel hinterlassen hat und dass das, was wir »Natur« nennen, im Grunde genommen bereits eine vom Menschen erschaffene Umgebung ist. Hier im Nationalpark schweift der Blick durch ganze Täler, ohne auch nur das geringste Zeichen für die Anwesenheit von Menschen zu entdecken. Kein Strommast, kein Windrad, keine Straße oder Bauernhof zu sehen.
Wir haben natürlich versucht, auf unserer Reise möglichst keine Klischees zu bedienen. Als wir aber vor Ort die Möglichkeit bekamen, unseren kleinen, spontanen Ausflug mit einer kleinen, spontanen Kanutour zu krönen, sagten wir dann doch nicht nein.

Ottawa

12.09.-16.09.2000


Der Bahnhof von Ottawa führte uns drastisch vor Augen, welchen Stellenwert Bahnreisen in Kanada genießen: gar keinen. Waren die Bahnhöfe der anderen Städte mehr oder weniger zentral gelegen, so befindet sich der Bahnhof von Ottawa deutlich außerhalb der Innenstadt. In der modernen Bahnhofshalle fiel mein Blick auf den Fahrplan: Für die ganze Woche gab es gerade einmal 13 Fernzüge. Zur Ehrenrettung Ottawas sei aber gesagt, dass manche davon täglich verkehren. Es gibt aber eine verwertbare Busanbindung, so dass wir ohne große Wartezeiten in die Innenstadt gelangten.
Thumbnail: Ottawa Hostel Zumindest lüge ich nicht, wenn ich sage, dass ich in Ottawa vier Tage unschuldig hinter Gittern war. Das 1973 eröffnete Hostel diente bis 1972 noch als Gefängnis. Entsprechend spärlich sind die Umbauten erfolgt, wie das Bild belegt. Allerdings verzichtet man doch darauf, die »Death Row« zu vermieten, jenen Trakt, in dem die zum Tode verurteilten auf ihre Hinrichtung warteten.
Thumbnail: Ottawa Parliament Als Hauptstadt Kanadas ist Ottawa natürlich voller Regierungs- und Verwaltungsbauten. Da das Hostel ziemlich zentral liegt, ist alles gut fußläufig zu erreichen. Das Parlamentsgebäude, welches hoch über dem Ottawa River liegt, kann kostenlos besichtigt werden. Die Führungen lohnen sich in jedem Fall, obwohl man einige Sicherheitskontrollen über sich ergehen lassen muss. Neben Erklärungen zur Geschichte und Funktion des Gebäudes erhält man auch Einblick in die kanadische Verfassung, bzw. den organisatorischen Aufbau des Parlamentes, das aus einem Ober- und Unterhaus besteht. Im Anschluss an die Führung kann der Turm des Parlamentes bestiegen werden, der eine gute Aussicht über die Stadt bietet.
Die staatliche Münze bietet ebenfalls die Möglichkeit geführter Besichtigungen, die ebenfalls sehr informativ sind. Von der Fertigung der Münzrohlinge bis zur fertigen Münze erhält man einen ausführlichen Einblick in alle Produktionsschritte.
Thumbnail: Musée Canadien des Civilisations Ansonsten bietet Ottawa auch eine reiche Auswahl an Museen: Ein Steinwurf von der Münzprägeanstalt befindet sich das »Canadian War Museum«, das sämtliche Kriege mit kanadischer Beteiligung zum Gegenstand hat. Von dort ist es bis zur »National Art Gallery« nicht weit, einem postmodernen Bau mit unzähligen Exponaten. Allerdings ist der Anteil mit moderner Kunst im Museum recht hoch, was sicherlich nicht jedermanns Sache ist. Auf der anderen Flussseite, in Hull, kann man das Museum der Zivilisation besuchen, dessen Eingang bereits den Weg dorthin rechtfertigt. Ferner kann noch ein Währungsmuseum in der Nähe des Parlamentes besichtigt werden.
Während wir nun tagsüber in hohem Maße Kultur und Bildung tankten, widmeten wir uns abends dann anderen geistigen Dingen: Ebenfalls in der Nähe der Jugendherberge liegt ein Vergnügungsviertel, dessen zahlreiche Lokale erforscht werden wollten. Das Hostel bietet auch hier einen einzigartigen Pub Crawl an: Die Teilnehmer erhalten ein T-Shirt, anhand dessen die Wirte erkennen, dass der jeweilige Träger aus dem Hostel kommt. In der einen Wirtschaft erhält man daraufhin alles zu günstigeren Preisen, in einer anderen erhält man zu seinem Bier einen kostenlosen »Shooter«, also einen Kurzen. Und die Gaststätten sind dort extrem vielfältig. Mein persönlicher Favorit war das Minglewoods, was wir auch schon vor dem Pub Crawl entdeckt hatten.

Kitchener

17.09.2000


Kitchener, etwa 100 km westlich von Toronto gelegen, war das Zentrum der deutschen Einwanderung in Kanada. Die Stadt ist berühmt für sein Oktoberfest, dass nach dem Münchener Oktoberfest das zweitgrößte der Welt sein soll. Die Region selbst wurde mit der Textilindustrie groß, hat aber offensichtlich den Strukturwandel nicht geschafft. Wir besuchten also eine Stadt, die nicht leugnen kann, dass sie schon bessere Tage gesehen hat. In der Innenstadt war eine Dreiteilung der Ladenlokale zu beobachten: Während ein Drittel tatsächlich Läden beherbergte, war ein weiteres Drittel zu vermieten, und das letzte Drittel wurde gleich zum Verkauf angeboten. Unser Reiseführer ließ uns diesmal auch im Stich: In Kitchener sollte eine Schnapsdestille zu besichtigen sein. Auf Nachfrage vor Ort erfuhren wir, dass diese bereits vor zwei Jahren bankrott gemacht hatte. Notgedrungen sahen wir uns ein Heimatmuseum an und setzen uns dann in die Bahnhofskneipe, wo wir die Wartezeit bis zum Abendzug nach Toronto mit Labat Blue, einem kanadischen Bier, überbrückten.
Natürlich hatte man in dieser Wirtschaft schnell heraus, dass wir deutscher Herkunft waren. So fand schließlich auch jene Spezies zu uns, die es wohl in jeder Kneipe gibt: Der arme Schlucker, der jedem ein Gespräch in der Hoffnung, einen ausgegeben zu bekommen, aufzwingt. Zu allem Überfluss sprach der Mann als Sohn eines deutschen Einwanderers fließend unsere Muttersprache, so dass es doppelt schwer wurde, ihn wieder loszuwerden. Er fragte uns jedoch kaum etwas über unsere Heimat, sondern gab uns ungebeten die seltsamsten Reisetipps. Wir erfuhren Dinge, die wir nie wissen wollten. Ein Beispiel: Wenn man nach Kuba fährt, sollte man den ganzen Koffer voller Elektro-Haushaltsgeräte mitnehmen, da diese dort Mangelware sind. Er brüstete sich damit, dass er für ein einziges Bügeleisen drei Wochen lang eine bildschöne kubanische Frau gehabt hatte, die ihm alle Bedürfnisse befriedigte. Ich denke, dies muss nicht weiter kommentiert werden: Moderner Kolonialismus.

Toronto - Niagarafälle - Montreal - Quebec - La Jacques Cartier - Ottawa - Kitchener


Dies sollte jedoch nicht meine letzte Kanadareise bleiben: Eine Winterreise im Jahr 2003 folgte.
Wie bereits erwähnt, war Igor[Rock] mehrfach in Kanada. Mehr Bilder gibt es folglich unter Symbol: Externes Link http://www.rock-clan.de/Kanada und auf Symbol: Externes Link Igors Homepage, auf der er unter anderem von seiner letzten Reise im Herbst 2001 berichtet.